Day 0

Wie man an den tollen Bildern sieht, die bei der heutigen Filmpremiere von „Pawn Sacrifice“ entstanden sind, hatte ich schon immer ein ganz besonderes Faible fürs Fotografieren. Auch wenn die Fotos mit einer guten Kamera oder einem besseren Sitzplatz noch glanzvoller geworden wären.

Der Empfang, mein erster solcher Art, hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Zunächst gewann ich den durch meine kürzliche Trennung kurzfristig verloren gegangenen Glauben an das Gute im Menschen wieder, als mir meine EC-Karte abhanden kam, aber binnen Minuten wieder an der Garderobe auftauchte – beileibe keine Selbstverständlichkeit. Danach gab es bei reichlich Sekt und Häppchen genauso reichlich Stars und Prominente zu bestaunen. Ob Veteran Boris Spasskij, Kirsan Iljumschinow, Anand, Carlsen, Svidler, Krammik, Nepomniatschi oder Karjakin, die Liste derer, die mich erfolglos um ein Selfie angebettelt haben, lässt sich beliebig verlängern. Doch ich verbrachte die meiste Zeit lieber damit, anderen Deutschen die Hände zu schütteln und uns für morgen für unseren gefühlten halben Punkt aus den ersten fünf Partien im Schnellschach Mut anzutrinken.

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Ausserdem standen im Foyer einige Schachspiele mit dem exklusiven Schachsatz bereit, mit dem wir wohl die nächsten fünf Tage spielen werden. Optisch das Set nicht so mein Ding, kann aber Geschmackssache sein. Haptisch bekam ich die Figuren bisher noch nicht in die Hände, kann sie also noch nicht beurteilen. Ich frage mich eher, mit welchen Uhren wir spielen und hoffe auf die neue DGT, die beim Weltcup zum Einsatz kam.

Anschließend ging es endlich herüber in den Kinosaal. Dort wurde zunächst ein toller Imagefilm über das Schachspiel gezeigt, dessen Wirkung aber leider durch die nachfolgenden Reden etwas relativiert. Ivanchuk, der einen Platz neben mir saß und durch ein überdimensional großes Cappy auffiel, überkam bei diesem Vorgeplänkel plötzlich das Hungergefühl, dass er mit seinem zwei Begleitern und den Worten „kommt, lasst uns mal schön zu Abend essen!“ den Saal verließ und bis zum Ende nicht mehr gesehen wurde.

Danach startete der Film, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Besonders Tobey Maguire wusste in der Rolle von Bobby Fischer dessen wirren, besessenen, Blick eines vom Schach Getriebenen meisterhaft nachzuahmen, aber auch die anderen Schauspieler machten ihre Sache gut. Ärgerlich nur die paar logischen Unstimmigkeiten  (Fischer reiste meines Wissens nicht aus dem bulgarischen Varna sondern aus dem tunesischen Sousse vorzeitig ab etc.) sowie die von Carlsen bereits vor dem Film monierten motorischen Schwierigkeiten der Schauspieler, bei der Ausführung der Züge wie Schachspieler zu wirken. Da wurden die Figuren im bunten Mix munter über das Brett gezogen, geführt und gestampft, und das mal unter Einsatz des kleinen Fingers, mal mit zwei Fingern, drei oder mit der ganzen Faust. Beim Schlagen wurde die geschlagene Figur mal mit einer Hand weggenommen, mal mit der anderen, mal mit der schlagenden Figur vom Brett geschoben. Aber es sah kein einziges Mal nach richtigem Schach aus und wirkte daher wie Fischers ständig ausgesprochene Schachgebote etwas albern. Das gemeine Kinopublikum wird aber, wie gesagt, keinen Unterschied merken, von daher, ist der Film durchaus massentauglich.

Morgen ist um 12:00 Registrierung, bevor um 14:00 endlich die WM startet und zwar zunächst die Schnellschach-WM. Dazu zaubere ich morgen früh vielleicht noch etwas an dieser Stelle. Schließen würde ich gerne diesen Bericht mit der Abbildung der neuen Frisur von Ex-Weltmeister Ruslan Ponomariov. Da aber hier vermutlich sowohl Minderjährige als auch der Verfassungsschutz mitlesen, werde ich davon Abstand nehmen müssen. Haltet die nächsten Tage die Augen auf Chessbase offen, wo der Mann vielleicht mal abgelichtet wird, oder schaut einfach am Spielort in der Bolle Meierei Berlin vorbei, um zu sehen, was ich meine.

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Ein Kommentar

  1. Tiger-Oli · Oktober 10, 2015

    Hey Ilja,
    was machst Du denn schon wieder in Berlin? Ist ja toll, dass Du ein bisschen von vor Ort berichtest, und dann noch mit einem coolen Blog – ganz große Klasse!
    Ich hoffe, das Turnier läuft spitze für Dich, denn Du weißt ja, neben Carlsen und Martin Breutigam (bitte grüßen!) bist Du einer meiner Turnierfavoriten.
    Viel Spaß noch, und Grüße aus dem unweltmeisterschaftlichen Bremen!
    Tiger-Oli

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